Generationencafé International im Spitalhof

Das Treffen von jungen zugewanderten Menschen und Senioren im Pflegeheim Spitalhof Münchingen am Sonntag, 21. Juli 2019 widmet sich jahreszeitengemäß dem Thema "Urlaub". Es ist das fünfte Treffen des "Generationencafé International", das seit einem Jahr Interferenzen e.V. und compass international GmbH zusammen mit der Evangelischen Altenheimat veranstalten.

Die Initiatorin, Interferenzen-Geschäftsführerin Birgit Klein, gibt den Input. Sie erinnert sich an die Sommerurlaube auf dem Bauernhof im Familienkreis, in denen sie das Kühemelken, das Heumachen und vieles andere für ein Stadtkind Interessantes gelernt hat.

Die jungen Gäste aus Afghanistan, Spanien und Mexiko tragen ihre Erinnerungen an Urlaube am Meer oder im Inland bei. Die Sommermonate verbrachten sie eher bei Verwandten im Land oder wie der Spanier Adolfo in der Großfamilie an der spanischen Küste mit Schwimmen, Sonnenbaden, gutem Essen in Gemeinschaft.

Auch für die Senioren ist Urlaub weit weg von zuhause eher unüblich gewesen. Umso begeisterter erzählen Frau Böttcher und Frau Kern von ihrer mehrtägigen seniorengerechten Urlaubsreise nach Mallorca im vergangenen Jahr. Mithilfe von Spenden haben sie mit weiteren drei Bewohnern und ebenso vielen Mitarbeitenden als Begleit- und Versorgungsteam eine Fernreise nach Mallorca machen dürfen. Es waren intensive beziehungs- und erlebnisreiche Tage, von deren Erinnerung sie gerne lebhaft berichten.

Warum Mallorca und nicht Schwarzwald? Weil sich Spitalhofleiterin Patricia O'Rourke und ihr Team entschlossen haben, einigen - darunter auch an Demenz erkrankten - Bewohnern, es zu ermöglichen, einmal im Leben in Fernurlaub zu reisen, erstmals das Meer zu sehen, wenn möglich darin einzutauchen, exotische Meeresfrüchte und landestypische Bräuche kennenzulernen, kurzum: ein Stück Unbeschwertheit in Gemeinschaft zu genießen.

Frau Müller, der es in ihrer Jugend in kinderreicher Familie nicht vergönnt war, zu reisen, lauscht aufmerksam den Ausführungen Mariams, die heute mit ihrer jüngeren Schwester Omeira aus Afghanistan dabei ist. Mariam erzählt von ihren Erlebnissen in Deutschland. Seit drei Jahren ist sie hier und hat das Glück, dass ihr Studium hier anerkannt wird und sie Arbeit gefunden hat. Sie engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und hat ihre eigene Sicht auf das Thema Integration. Aus ihrer Erfahrung weiß sie zu berichten, dass Integration nur gelingen kann, wenn beide Seiten zum gegenseitigen Interesse für die andere Kultur bereit sind. Dass der offene Austausch der hier geborenen älteren und der jungen zugewanderten Menschen generationenübergreifend gelingen kann, haben bisher alle Treffen im Projekt gezeigt.

Die sprachliche Übung im Deutschen kommt den jungen Teilnehmern aus anderen Sprachkulturen zugute. Adolfo, Architekt aus Spanien, der erst seit drei Monaten in Deutschland lebt und gebrochenes Deutsch spricht, hofft auf sprachliche Fortschritte. Angeregt tauscht er sich teils in Deutsch und  wenn nötig in Englisch mit Herrn Balghuber aus, der heute im Spitalhof Münchingen lebt. Dieser ist früher beruflich bedingt viel gereist und zeitweise nach Sydney, Australien ausgewandert. Der angeregte Austausch mit gedanklicher Reise durch viele Länder der Welt will gar nicht enden, so viel gibt es zu erzählen.

Herzlich verabschieden sich die jungen Gäste von den Senioren. Frau Becker bedankt sich gerührt von der quicklebendigen Alicia aus Mexiko-Stadt und dankt ihr für die lebhaften Schilderungen ihrer mexikanischen Heimat. Omeira aus Afghanistan umarmt ihre Gesprächspartnerin Frau Böttcher und küsst ihr die Wangen. Sie ist froh über den Kontakt und Austausch, der für sie ein kleines Stück Ersatz bietet für den fehlenden Kontakt zu ihrer Großmutter, die in Afghanistan lebt.

Das nächste Treffen wird im Oktober wieder sonntags zur besten Kaffee- und Kuchenzeit im Spitalhof stattfinden. Das Thema "Feste" lässt erneut einen lebhaften Austausch und interessante Einblicke in kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede erwarten.